Der 5. Dezember ist der Internationale Tag der Freiwilligen: Genau der richtige Moment, allen Engagierten von Herzen zu danken. In der Martin Stiftung engagieren sich rund 40 Freiwillige, zum Teil schon seit vielen Jahren, unentgeltlich für die Bewohner. Herzlichen Dank!

Eine dieser Freiwilligen ist Karin Sutter. Sie engagiert sich seit rund acht Jahren für die Martin Stiftung. Bei ihrem Treffen mit Cinzia Sartorio, unserer Verantwortlichen für die Freiwilligenarbeit, hat sie verraten, was sie gerne mit den Bewohnern der Martin Stiftung unternimmt und welchen überraschenden Effekt die Treffen auf sie haben.

Wir haben uns im Dezember 2011 kennengelernt, vor ziemlich genau neun Jahren. Seither begleitest du regelmässig eine Bewohnerin und einen Bewohner der Martin Stiftung. Woran erinnerst du dich besonders gerne?

Karin: Ich mache mir zu jedem Treffen Notizen. Kürzlich habe ich Margrit tatsächlich zum 50. Mal getroffen. Sie kommuniziert praktisch non-verbal. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich Margrit in den Anfangszeiten jeweils zum Abschied umarmt habe – was eine ziemlich steife Angelegenheit war. Nach einiger Zeit hat sie meine Umarmung erwidert, für mich war das ein ganz spezieller Moment. Ab und zu fahren wir mit meiner Vespa aus. Wenn ich Margrit dann jeweils im Rückspiegel lächeln sehe, freut mich das immer sehr.

Alberto ist das pure Gegenteil von Margrit, sehr kommunikativ und immer für ein Spässchen zu haben. Er spricht ohne grosse Hemmungen Menschen an, was regelmässig zu lustigen Begegnungen und Gesprächen führt.

Was unternimmst du mit den beiden?

Mit Margrit bin ich viel unterwegs, wir machen eine Schifffahrt, besuchen ein Café oder eine Ausstellung. Margrit liebt es, Textilien anzufassen. Einmal haben wir das Nähatelier einer guten Freundin besucht, wo Margrit alle Stoffe anfassen durfte.

Auch mit Alberto mache ich Ausflüge. Als meine Kinder kleiner waren und Alberto noch fitter war, habe ich ihn ab und zu zum Mittagessen zu mir nach Hause eingeladen. Das hat er jeweils sehr gemocht, besonders den Kontakt zu den Kindern.

Wie hat sich eure Beziehung über die Jahre entwickelt?

Bei Margrit spüre ich einfach, dass wir uns nähergekommen sind. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, mache ich ein Foto von uns beiden. Dieses Foto klebt sie dann in ein Album ein, was ein wichtiges Ritual für sie ist.

Bei Alberto spüre ich, dass er langsam älter wird und mental nicht mehr so fit ist. Ich versuche, ihn einfach dort abzuholen, wo er gerade ist und das möglich zu machen, was tatsächlich machbar ist.

Was ziehst du persönlich aus deinem Engagement?

Viel Befriedigung und auch Entschleunigung. Kürzlich habe ich mit Margrit ein Café besucht und tatsächlich vergessen, die Rechnung zu begleichen, so entspannt war ich. Ganz grundsätzlich ist es für mich ein Geben und Nehmen. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen für ein freiwilliges Engagement begeistern liessen.

Du engagierst dich ja nicht nur für die Martin Stiftung, du hast auch ein Pensum bei der örtlichen Spitex und arbeitest seit kurzem im Covid-Testcenter in Männedorf. Woher nimmst du die Zeit und Energie?

Ich habe zum Glück eine intakte Familie, führe eine gute Ehe und meine drei Kinder sind tagsüber mit Schule und Studium beschäftigt. Persönlich bin ich eine Frohnatur und grundsätzlich recht flexibel und bodenständig. Ich engagiere mich einfach sehr gerne für die Gesellschaft, immer im Bewusstsein, dass es uns in der Schweiz so gut geht.

Was wünschst du dir persönlich und der Welt zu Weihnachten?

Dass wir bald wieder so leben können, wie’s allen gut tut und schon bald wieder mehr Nähe und Umarmungen möglich sein werden. Für alleinstehende Menschen ist das Fehlen von menschlicher Wärme wohl das Schwierigste überhaupt.

Cinzia: Herzlichen Dank für dein Engagement und für deine offenen Worte.

Freiwillige in der Martin Stiftung

Freiwillige in der Martin Stiftung engagieren sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise: Sie begleiten Bewohnerinnen auf Spaziergänge oder Ausflüge, zu Sportveranstaltungen oder Konzerte, in die Kirche oder an einen Ferienort. Sie besuchen Wohngruppen, um gemeinsam zu basteln, lesen, spielen oder backen. Sie unterstützen an Anlässen im Service oder beim Festzeichenverkauf. Wir freuen uns über jedes einzelne Engagement, das in der Regel für beide Seiten eine Bereicherung ist.

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Bilder: Rosmarie Zurbuchen, zVg
(Die Bilder ohne Maske sind in der Zeit vor der Corona-Pandemie entstanden)