Schneller als gedacht: Schon am 4. Februar erhielt die Martin Stiftung den Impfstoff gegen das Corona-Virus. Geplant war Ende März. 250 Bewohnerinnen, Bewohner und Fachpersonen liessen sich pieksen – und hoffen vor allem eines.

Am Morgen vom 4. Februar scheint endlich mal wieder die Sonne. Vor der Mehrzweckhalle der Martin Stiftung stehen Stühle in einer langen Reihe mit dem obligatorischen Abstand.

Die ersten Fachpersonen lassen sich impfen. Kollegen, die direkt von der Nachtwache kommen, stehen genauso in der Schlange zum morgendlichen Impftermin wie der Direktor Jürg Hofer und Beatrix Zeidler, Leiterin der Fachstelle Beratung und Bildung. Sie hat den ersten Impftag in der Martin Stiftung massgeblich organisiert, den Impfstoff am Vortag in den Medikamenten-Kühlschrank geschlossen, die richtige Temperatur kontrolliert, minus 70 Grad müssen es sein. Obwohl der Impfstoff besonders sensibel sei, wäre die Impfung wie jede andere, sagt sie. «Es piekst ein bisschen.»

«Ich bin nervös»

Dann sind die Wohngruppen an der Reihe: Die Wartezeit vor der Mehrzweckhalle fühlt sich für viele wie eine Ewigkeit an. Beat, ein Bewohner sagt: «Ich bin sehr froh über die Impfung, aber ich bin auch nervös.»

Aber niemand ist alleine mit seinen Sorgen: Die Fachpersonen beim Empfang haben für jeden ein offenes Ohr, es wird sich optimistisch über das Impfen ausgetauscht.

Regula, eine Bewohnerin, nimmt das Ganze pragmatisch: «Ich bin schon oft geimpft worden und weiss, wie das funktioniert.»

Gelassen lässt Dominic, Mitarbeiter der Gärtnerei, die Impfung durch eine medizinische Praxisassistentin von Swiss Medi Kids über sich ergehen. Nach dem Pieks hebt er beide Arme mit Schwung in die Höhe und ruft laut «Ciao Corona-Virus!»

Gibt es Nebenwirkungen?

Jeder, der eine Impfung erhalten hat, muss noch 15 Minuten warten, bevor er wieder nach Hause gehen darf. Menschen, die zur Risikogruppe zählen, sollen sogar eine halbe Stunde unter Beobachtung sein. Dafür wurde das Seniorenatelier neben der Mehrzweckhalle eingerichtet. Es gibt Nüssli zum Knabbern und Getränke, die Stimmung ist entspannt.

Beat ist erleichtert: «Ich habe gar nichts gemerkt, erzählt er. Auch Yvonne sagt, dass sie die Nadel gar nicht gespürt habe. Matthias ist erleichtert: Es wurde in den richtigen Arm geimpft. Früher bei einer Impfung habe sich der Arzt mal vertan.

Alle sitzen in dem grossen Stuhlkreis und unterhalten sich – und schon ist die Viertelstunde um und es geht durch die Gartentür hinaus zum Kastanienbaum.

Vor den Eingangstüren zur Halle haben sich in der Zwischenzeit schon die Bewohner vom Wohnhaus Mariahalden eingefunden: Einige haben Kuscheltiere im Arm. Die meisten haben sich Raubkatzen ausgesucht. Für so einen besonderen Tag, braucht es eine besondere Unterstützung!

Fragen und Antworten zur Impfung in Leichter Sprache

Es ist eine gute Nachricht:
Es gibt eine Impfung gegen das Corona-Virus.
In der Schweiz ist das Impfen freiwillig.
Auch in der Martin Stiftung.
Aber die Impfung wird empfohlen
für alle Bewohnerinnen und Bewohnern.

Für wen ist die Impfung?

Die Impfung ist für alle Menschen ab 16 Jahren.
Zuerst sollen Menschen geimpft werden,
für die das Corona-Virus besonders gefährlich ist.
Schwangeren Frauen wird von der Impfung abgeraten.

Ist die Impfung gefährlich?

In der Schweiz prüft Swissmedic alle neuen Impfungen.
Swissmedic hat die Impfung gegen das Corona-Virus geprüft.
Zwar ein bisschen schneller, aber genauso streng wie sonst.

Über 20 Tausend Menschen haben die Impfung getestet.
Sie haben keine schweren Neben-Wirkungen erlebt.
Sie haben leichte Neben-Wirkungen wie
Fieber, Glieder-Schmerzen oder Kopfweh.
Das ist bei Impfungen normal.
Ältere Menschen vertragen den Impf-Stoff besser
als jüngere Menschen.

Wie wird geimpft?

Die Impfung wird mit der Spritze in den Oberarm gespritzt.
Es braucht 2 Dosen:
Das heisst: 2 Spritzen an 2 unterschiedlichen Tagen.
Die zweite Spritze bekommt man 3 bis 4 Wochen
nach der ersten Impfung.

Wie gut schützt die Impfung?

Die Impfung schützt 90 Prozent der geimpften Menschen.
Das heisst 90 von 100 geimpften Menschen bleiben gesund.
Dieser Schutz beginnt aber erst 7 Tage nach der zweiten Impfung.

Kann man das Virus trotz Impfung übertragen?

Das wissen wir noch nicht.
Deshalb müssen wir weiterhin Masken tragen,
Distanz halten und Hände waschen.

Wer wird zuerst geimpft?

Wer in einem Heim lebt wird zuerst geimpft.
Und auch das Personal im Heim.

Wo und wann kann man sich impfen lassen?

In der Martin Stiftung kann man sich impfen lassen.
An diesen Tagen: 4. Februar und 11. März 2021.

Was ist zu tun?

Alle erhalten ein Anmelde-Blatt
für die Impfung.
Du kannst das Blatt ausfüllen.

Hauszeitschrift Mehrsicht

Seit einem Jahr bestimmt das Corona-Virus den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner in der Martin Stiftung. In der aktuelles Ausgabe ihrer Hauszeitschrift Mehrsicht in Leichter Sprache zeigen sie, wie sie trotzdem Weihnachten gefeiert haben, wie sie zum Impfen stehen – und mit welchen guten Ideen sie sich gerne die Zeit in diesem Lockdown vertreiben.

Bilder: Miriam Eckert